G10
Wagehe Raufi
Falten

R15
Nassim L'Ghoul
Soliloquy

24.10.25 - 28.11.25


ENG 
Falten
Under the title Falten in the G10 Projektraum , Wagehe Raufi presents works whose amorphous forms are marked by fractures, gaps, and voids. Her objects are snapshots of a gradual loss of control over materiality, the body, as well as belonging and orientation. They encapsulate the search for a secure standpoint, for a place that promises stability yet repeatedly eludes us, never offering solid ground. (click for more)

The wall objects on display are created through a process in which the artist builds her pieces layer by layer. They consist of superimposed materials such as plastic particles, agar-agar, ink, and pigments. As they dry, these substances change their state, forming cracks, folds and crusts – visible traces of a transformation. The solidified, uneven surfaces evoke organic processes, healing wounds or earthy, land-like structures. These transitions reveal a moment of agency – a kind of self-activity of the materials – that transcends the boundaries between solid and liquid and opposes the supposed passivity of matter. From the undersides of the works hang cotton threads reminiscent of carpet fringes. They create a dynamic tension between fabric and growth, between a constructed and a seemingly organic surface.
        The other objects on display depict concrete objects or living beings. Ceramic rats sit next to the entrance door. Beside them are rows of imprints of pointed shoes with small heels, which seem to exist only as outer shells. They look like slowly decaying, empty vessels – like casts of outworn shoes. Similarly deflated appears the skin of a stool that Raufi replicated using several layers of fine mesh gauze and agar-agar. Without a supporting framework; without a skeleton, the former stool stretches its legs out on the floor.
        Viewers are invited to reorient themselves. Their standpoint, like the nature of the objects, is fluid, in flux. What can we still held onto in an ever-faster changing world? Raufi's works respond to this question with quiet openness, acting as points of orientation. Falten opens up a space of ambivalence between vulnerability and resistance. It is a quiet reflection on what remains when structures crumble and certainties dissolve – or begin to shift.

Wagehe Raufi (*1990 in Dissen am Teutoburger Wald) completed her studies in fine art at the Offenbach University of Art and Design in 2020. She has received several awards, including the studio scholarship from the Hessian Cultural Foundation (2024), the working scholarship from the Kulturfonds Foundation (2023), the Federal Prize for Art Students (2021), a DAAD scholarship for a semester abroad at the Central Academy of Fine Arts in Beijing (2018) and the SYN Award for Interdisciplinary Research (2017). Her works have been shown in numerous solo and group exhibitions, most recently at the Kunsthalle Wilhelmshaven (2025), the Kunsthalle zu Kiel (2025), the Kunstverein Arnsberg (2024), the Historisches Museum Frankfurt (2024)


ENG
Soliloquy
In R15, Nassim L'Ghoul's work Soliloquy transports us into a dreamlike, 3D-modelled world. In this video, everyday observations and autobiographical experiences flow into one another and intertwine to form new narratives. The individual elements are completely stripped of their original colour and texture and appear smooth, without any tactile quality – as if their surfaces had been dipped in milk. L'Ghoul models his figures himself, but also makes use of found material, which he transforms for his 3D applications with the help of algorithms. (click for more)

The barren landscape in Soliloquy, within which a surreal scene unfolds, feels both gentle and unsettling: under a sleeping sun, a person writes a letter that a floating telephone sees but does not answer. In the animation, lifeless objects are brought to life and given personified features – mouths, faces, movements. They enter into a silent dialogue, their interaction moving between poetic suggestion and digital construction.

Nassim L’Ghoul (*1997 in Bad Soden, Germany) has been studying at the Slade School of Fine Art in London since 2024. He previously completed his studies in Fine Arts at the Hochschule für Gestaltung in Offenbach. His works have been included in several group and solo exhibitions, among them Tagli, London (2025); Koppel Annex, London (2025); Studio Hannibal, Berlin (2024); Olympiapark, Munich (2023); Eigen + Art Lab, Berlin (2023); sassfee pavillon, Frankfurt (2023); and Frankfurter Kunstverein (2023 & 2021).


DE
Falten
Unter dem Titel Falten präsentiert Wagehe Raufi im G10 Projektraum Arbeiten, deren amorphe Formen von Brüchen, Rissen und Leerstellen geprägt sind. Ihre Objekte sind Momentaufnahmen eines schleichenden Kontrollverlusts über Materialität, Körper sowie Zugehörigkeit und Orientierung. Sie verdichten die Suche nach einem sicheren Standpunkt, nach einem Ort, der Stabilität verspricht und sich zugleich immer wieder entzieht – ohne jemals festen Boden zu bieten. (klick für mehr)

Die ausgestellten Wandobjekte entstehen in einem schichtweisen Arbeitsprozess, bei dem die Künstlerin ihre Werke Lage für Lage aufbaut. Sie bestehen aus übereinandergelegten Materialien wie Kunststoffpartikeln, Agar-Agar, Tusche und Pigmenten. Während des Trocknungsprozesses verändern diese Stoffe ihren Zustand und bilden Risse, Falten und Krusten – sichtbare Spuren einer fortlaufenden Transformation. Die erstarrten, unregelmäßigen Oberflächen erinnern an organische Prozesse, verheilende Wunden oder erdähnliche Landschaften. In diesen Übergängen wird ein Moment materieller Eigenständigkeit sichtbar – eine Art Selbsttätigkeit der Materialien, die die Grenzen zwischen fest und flüssig überschreitet und sich der vermeintlichen Passivität von Materie widersetzt. Von den Unterseiten der Arbeiten hängen Baumwollfäden herab, die an Teppichfransen erinnern. Sie erzeugen eine spannungsreiche Verbindung zwischen Textil und Wachstum, zwischen konstruierten und scheinbar organischen Oberflächen.

Die weiteren ausgestellten Arbeiten greifen konkrete Objekte und Lebewesen auf. Keramische Ratten sitzen neben der Eingangstür. Daneben befinden sich Reihen von Abdrücken spitz zulaufender Schuhe mit kleinen Absätzen, die nur noch als äußere Hüllen zu existieren scheinen. Sie wirken wie langsam zerfallende, leere Gefäße – Abgüsse abgetragener Schuhe. Ebenso in sich zusammengesunken erscheint die Hülle eines Hockers, den Raufi aus mehreren Schichten feiner Gaze und Agar-Agar nachgebildet hat. Ohne tragendes Gestell, ohne Skelett, streckt der ehemalige Hocker seine Beine über den Boden aus.

Die Ausstellung lädt die Betrachtenden dazu ein, ihren eigenen Standpunkt neu auszurichten. Wie die Beschaffenheit der Objekte bleibt auch dieser fließend und in Bewegung. Woran können wir uns in einer Welt festhalten, die sich immer schneller verändert? Raufis Arbeiten antworten auf diese Frage mit stiller Offenheit und werden zu möglichen Orientierungspunkten. Falten eröffnet einen ambivalenten Raum zwischen Verletzlichkeit und Widerstand – eine leise Reflexion darüber, was bleibt, wenn Strukturen zerbrechen, Gewissheiten sich auflösen oder in Bewegung geraten.

Wagehe Raufi (*1990 in Dissen am Teutoburger Wald) schloss 2020 ihr Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Gestaltung Offenbach ab. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Atelierstipendium der Hessischen Kulturstiftung (2024), das Arbeitsstipendium der Kulturfonds-Stiftung (2023), den Bundespreis für Kunststudierende (2021), ein DAAD-Stipendium für ein Auslandssemester an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2018) sowie den SYN-Preis für interdisziplinäre Forschung (2017). Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, zuletzt unter anderem in der Kunsthalle Wilhelmshaven (2025), der Kunsthalle zu Kiel (2025), dem Kunstverein Arnsberg (2024) und dem Historischen Museum Frankfurt (2024).


DE
Soliloquy
In R15 entführt Nassim L'Ghouls Arbeit Soliloquy in eine traumartige, dreidimensional modellierte Welt. In diesem Video fließen alltägliche Beobachtungen und autobiografische Erfahrungen ineinander und verweben sich zu neuen Erzählungen. Die einzelnen Elemente sind vollständig ihrer ursprünglichen Farben und Texturen beraubt und erscheinen glatt, ohne jede haptische Qualität – als wären ihre Oberflächen in Milch getaucht. L'Ghoul modelliert seine Figuren selbst, greift aber auch auf gefundenes Material zurück, das er mithilfe algorithmischer Verfahren für seine 3D-Anwendungen transformiert. (klick für mehr)

Die karge Landschaft, in der sich die surreale Szenerie entfaltet, wirkt zugleich sanft und verstörend: Unter einer schlafenden Sonne schreibt eine Person einen Brief, den ein schwebendes Telefon zwar wahrnimmt, jedoch unbeantwortet lässt. Leblose Gegenstände werden in der Animation zum Leben erweckt und erhalten personifizierte Züge – Münder, Gesichter und Bewegungen. Sie treten in einen stillen Dialog miteinander, dessen Interaktionen zwischen poetischer Andeutung und digitaler Konstruktion oszillieren.

Nassim L'Ghoul (*1997 in Bad Soden) studiert seit 2024 an der Slade School of Fine Art in London. Zuvor absolvierte er sein Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, darunter bei Tagli in London (2025), Koppel Annex in London (2025), Studio Hannibal in Berlin (2024), im Olympiapark München (2023), bei Eigen + Art Lab in Berlin (2023), im sassfee pavillon in Frankfurt (2023) sowie im Frankfurter Kunstverein (2023 & 2021).



Text: Carolina Maddè
Photography: Nils Heck
Edit: Wagehe Raufi