Layla Nabi
Engaged in Disengagement
01.03.25 – 28.03.25

 

ENG
In the exhibition Engaged in Disengagement, artist Layla Nabi presents sculptural works with which she recreates objects from public spaces that have lost their original function and purpose. These works are part of Nabi's ongoing exploration of everyday urban objects, which she decontextualizes and detaches from a linear timeline.(click for more)

In the G10 exhibition, two replicated ticket validators lie on the floor, reminiscent of those commonly found at stations in major German cities. For these works, the artist uses mass-produced materials with smooth surfaces, combining them with an industrialized design language which she simplifies and abstracts. At first glance, Nabi’s ticket validators appear as if she had removed them from a train platform. The reduction of form only becomes evident upon closer examination. By positioning the validators horizontally on the floor, they seem to lay themselves and their work to rest – perhaps taking a break. Perhaps they have deliberately embraced this passivity as a silent protest against their constant availability at transit stops.
    A similar quiet detachment is reflected in Nabi’s large wall piece, which recalls the floor textures of train stations. In subway stations, the multicoloured floor patterns serve both as a visual barrier before the edge of the platform and as a guidance system for visually impaired people. While floors in public spaces are marked with tactile traces, the artist distills these to their geometric essence. Nabi’s enigmatic and ironic sculptures exhibit design-aesthetic tendencies of Minimalism and Pop Art. Nevertheless, they are thriving on their very own way on the tension between possible utilitarian value and “uselessness.” The displayed objects are literally turned upside down in G10 Projektraum: floor elements extend across the wall, while furniture originally intended to stand upright at stations shifts to a horizontal position. In the exhibition, the everyday transit environment is turned inside out, offering a shift in visibility: Though such objects often recede into the background of hectic daily life, the moment of disruption draws them into sharp focus within the exhibition.
       
In R15, the artist shows the video work something happened but nothing appeared, which she filmed in Monastir, Tunisia, in 2021. A brick attached to a string is dragged through the city and along the coast by a man. With each touch of the changing ground, it gradually wears away until it finally disappears. The brick – an omnipresent element of the cityscape – is a component of rapid urban development. The bricks are both built material and visible elements in vernacular structures, where they often take on new functions: they become stools, steps or displays. As a main and at the same time informal component of street furniture, the brick plays a central role in Nabi’s video: through the humorous and at the same time coarse back-pulling, it is increasingly worn away and slowly dissolves.


Layla Nabi (*1994 in Berlin) lives and works in Berlin. She studied Fine Arts at HfBK Dresden under Wilhelm Mundt and at Städelschule Frankfurt under Hassan Khan until 2024. Her works have been showcased in various solo exhibitions, including Uferhallen Berlin (2023) and Wannsee Contemporary in Berlin (2022). Nabi has also participated in numerous group exhibitions, such as at Parfümerie in Frankfurt (2024), Oktogon in Dresden (2024), MARS Frankfurt (2023), Skulpturenpark Leipzig (2022), Galerie Stephanie Kelly in Dresden (2022), HALLE 14 in Leipzig (2022), A&O Kunsthalle in Leipzig (2021), and Gallery Q in Copenhagen (2020).


DE
In der Ausstellung Engaged in Disengagement präsentiert die Künstlerin Layla Nabi skulpturale Arbeiten, in denen sie Objekte aus dem öffentlichen Raum nachbildet, die ihre ursprüngliche Funktion und Bedeutung verloren haben. Diese Arbeiten sind Teil von Nabis fortlaufender Auseinandersetzung mit alltäglichen urbanen Objekten, die sie aus ihrem ursprünglichen Kontext löst und von einer linearen Zeitlichkeit entkoppelt. (klick für mehr)

Im G10 Projektraum zeigt die Künstlerin zwei nachgebildete Fahrscheinautomaten bzw. Entwerter, die auf dem Boden liegen und an jene erinnern, die häufig an Bahnhöfen größerer deutscher Städte zu finden sind. Für diese Arbeiten verwendet Nabi industriell gefertigte Materialien mit glatten Oberflächen und verbindet diese mit einer industriellen Formensprache, die sie reduziert und abstrahiert. Auf den ersten Blick wirken ihre Fahrscheinentwerter, als hätte sie sie direkt von einem Bahnsteig entfernt. Erst bei genauerer Betrachtung wird die formale Reduktion sichtbar. Durch die horizontale Positionierung auf dem Boden scheinen die Entwerter sich selbst und ihre Funktion zur Ruhe gelegt zu haben – vielleicht machen sie eine Pause. Vielleicht haben sie diese Passivität bewusst angenommen, als stillen Protest gegen ihre dauerhafte Verfügbarkeit an Haltestellen.
        Eine ähnliche stille Distanz spiegelt sich in Nabis großformatiger Wandarbeit wider, die an die Bodenstrukturen von Bahnhöfen erinnert. In U-Bahn-Stationen dienen mehrfarbige Bodenmuster sowohl als visuelle Begrenzung vor der Bahnsteigkante als auch als Orientierungssystem für sehbehinderte Menschen. Während Böden im öffentlichen Raum durch taktile Spuren gekennzeichnet sind, reduziert die Künstlerin diese auf ihre geometrische Grundform. Nabis rätselhafte und zugleich ironische Skulpturen weisen ästhetische Bezüge zu Minimalismus und Pop Art auf. Gleichzeitig beziehen sie ihre Spannung aus dem Verhältnis zwischen möglichem Gebrauchswert und vermeintlicher „Nutzlosigkeit“. Die ausgestellten Objekte werden im G10 Projektraum buchstäblich umgedreht: Bodenelemente ziehen sich über die Wand, während Möbelstücke, die ursprünglich für eine aufrechte Position an Bahnhöfen gedacht sind, in eine horizontale Lage versetzt werden. Die alltägliche Umgebung des öffentlichen Verkehrs wird in der Ausstellung nach außen gekehrt und eröffnet eine Verschiebung der Wahrnehmung: Obwohl solche Objekte im hektischen Alltag meist in den Hintergrund treten, rückt der Moment ihrer Störung sie im Ausstellungsraum plötzlich in den Mittelpunkt.

In R15 zeigt die Künstlerin die Videoarbeit something happened but nothing appeared, die 2021 in Monastir, Tunesien, entstanden ist. Ein an einer Schnur befestigter Ziegelstein wird von einem Mann durch die Stadt und entlang der Küste gezogen. Durch die Berührung mit den wechselnden Untergründen nutzt er sich nach und nach ab, bis er schließlich vollständig verschwindet. Der Ziegelstein – ein allgegenwärtiges Element des Stadtbildes – ist Bestandteil rasanter urbaner Entwicklung. Als Baumaterial und sichtbarer Bestandteil alltäglicher, informeller Architektur erhält er häufig neue Funktionen: Er wird zu einem Hocker, einer Stufe oder einer Ablagefläche. Als zentrales und zugleich improvisiertes Element von Straßenmobiliar spielt der Ziegelstein in Nabis Video eine entscheidende Rolle: Durch das humorvolle und zugleich grobe Zurückziehen wird er zunehmend abgetragen und löst sich langsam auf.

Layla Nabi (*1994 in Berlin) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Wilhelm Mundt sowie an der Städelschule Frankfurt bei Hassan Khan und schloss ihr Studium 2024 ab. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen Einzelausstellungen präsentiert, darunter in den Uferhallen Berlin (2023) und bei Wannsee Contemporary in Berlin (2022). Zudem nahm Nabi an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, unter anderem bei Parfümerie in Frankfurt (2024), Oktogon in Dresden (2024), MARS Frankfurt (2023), Skulpturenpark Leipzig (2022), Galerie Stephanie Kelly in Dresden (2022), HALLE 14 in Leipzig (2022), A&O Kunsthalle in Leipzig (2021) sowie Gallery Q in Kopenhagen (2020).




Text: Carolina Maddè
Photography: Jonas Eickhof