Lena Laguna Diel
El pueblo arde y el mar hierve
03.05.24 - 07.06.24


ENG
The exhibition by Swiss-Spanish artist Lena Laguna Diel transforms G10 Projektraum into a blue, melancholic world. In her installation, she combines drawing, painting and digital elements in deep blue cyanotypes whose motifs seem to float in space like dreams. Laguna Diel deliberately turns away from traditional painting techniques and fills her canvases with the colour tones created through the photographic printing process. The resulting wall objects hypnotize the viewers and drag them into an abyss of an endless cyan-coloured world in which human figures, faces and hands co-exist. (click for more)

Lena Laguna Diel applies a complex artistic process to produce her works: First, she draws her compositions, scans them and digitally processes parts of them. She then uses her assembled collages to create sometimes huge, sometimes small negatives. When she places a negative in a basin with a chemical solution over a piece of canvas, the textile turns blue. The artist harmonizes this chemical process of cyanotype by creating various translucent layers through the combination of the negative and the substance. This results in complex compositions without a clear foreground or background; without even a horizon or perspective. For her exhibition in G10 Projektraum, the artist breaks with the classic concept of pictorial composition; she draws abstract forms directly onto the wall and thereby expands the pictorial space. The walls thus become an active part of the exhibition. The activation of new pictorial levels, the blurring of boundaries and of artistic techniques gives her works depth and a melancholy tenderness that vibrates subtly and yet powerfully through the space.
        Her largest cyanotype is composed as a diptych and extends the wall paintings behind it. In the canvases, delicate line drawings emerge from the background, depicting seated figures. These anonymous people, whose outlines are only recognisable at second glance, are in contact with each other, but their communication seems to be swallowed up by a translucent blue veil covering their surface. This transparent layer is created by the gestural distribution of the chemical solution and forms a vibrant surface. The intensity of this colour distribution is interrupted by the superimposition of further floating elements: stylised faces move above the composition and hang in the pictorial space like fragments of thought. Although everything in the picture is connected, the figurative elements such as the shadowy figures or striking faces seem to be floating in a sea of blue. Despite their immediate proximity, there is no direct contact between them and each of the outlined personalities submerges and remains to itself.

Lena Leguna Diel (*1993 in Zurich) has been studying fine art at the Basel School of Art and Design since 2022. Her work has been presented in various solo exhibitions, including at SPP in Sankt Gallen (2024) and Malpaís in Barcelona (2024). They have also been part of several group exhibitions such as the Ketterer Kunst Masterclass Prize in Munich (2023), Gallery Ann Mazzotti in Basel (2023), Städtische Galerie Fruchthalle in Rastatt (2023), Kunsthaus Baselland (2022), Palazzina in Basel (2022) and Galerie Knecht und Burster in Karlsruhe (2019).


DE
Die Ausstellung der schweizerisch-spanischen Künstlerin Lena Laguna Diel verwandelt den G10 Projektraum in eine blaue, melancholische Welt. In ihrer Installation verbindet sie Zeichnung, Malerei und digitale Elemente zu tiefblauen Cyanotypien, deren Motive wie Träume im Raum zu schweben scheinen. Laguna Diel wendet sich bewusst von traditionellen Maltechniken ab und füllt ihre Bildträger mit den charakteristischen Blautönen des fotografischen Edeldruckverfahrens der Cyanotypie. Die entstehenden Wandarbeiten ziehen die Betrachtenden in ihren Bann und führen sie in den Abgrund einer endlosen, cyanblauen Welt, in der menschliche Figuren, Gesichter und Hände nebeneinander existieren. (klick für mehr)

Für die Entstehung ihrer Arbeiten entwickelt Lena Laguna Diel einen vielschichtigen künstlerischen Prozess. Zunächst zeichnet sie ihre Kompositionen, scannt sie ein und bearbeitet einzelne Elemente digital weiter. Aus den so entstandenen Collagen fertigt sie Negative unterschiedlicher Größe an. Legt sie diese in einem Becken mit einer chemischen Lösung auf eine Leinwand, färbt sich das Textil tiefblau. Den chemischen Prozess der Cyanotypie steuert die Künstlerin gezielt, indem sie durch das Zusammenspiel von Negativ und lichtempfindlicher Lösung mehrere transparente Schichten entstehen lässt. So entstehen komplexe Bildräume ohne eindeutigen Vorder- oder Hintergrund, ohne Horizont und ohne Perspektive. Für ihre Ausstellung im G10 Projektraum löst sie sich zudem vom klassischen Verständnis der Bildkomposition: Abstrakte Formen zeichnet sie direkt auf die Wände und erweitert dadurch den Bildraum über die Leinwand hinaus. Die Wände werden so zu einem aktiven Bestandteil der Installation. Durch die Erschließung neuer Bildebenen, das Auflösen von Grenzen und das Ineinandergreifen verschiedener künstlerischer Techniken verleihen ihre Arbeiten dem Raum eine tiefgründige, melancholische Zartheit, die gleichermaßen subtil wie eindringlich spürbar wird.

Ihre größte Cyanotypie ist als Diptychon angelegt und setzt die Wandzeichnungen hinter ihr fort. Auf den Leinwänden treten feine Linienzeichnungen sitzender Figuren aus dem blauen Hintergrund hervor. Die anonymen Personen, deren Konturen sich erst auf den zweiten Blick erschließen, stehen miteinander in Beziehung, doch ihre Kommunikation scheint von einem transparenten blauen Schleier überlagert und verschluckt zu werden. Diese durch die gestische Verteilung der chemischen Lösung entstandene Schicht bildet eine lebendige, schimmernde Oberfläche. Die Intensität der Farbflächen wird durch weitere schwebende Elemente durchbrochen: Stilisierte Gesichter gleiten über die Komposition und schweben wie Fragmente von Gedanken durch den Bildraum. Obwohl alle Elemente miteinander verbunden sind, wirken die schemenhaften Figuren und markanten Gesichter, als trieben sie schwerelos in einem Meer aus Blau. Trotz ihrer räumlichen Nähe entsteht kein unmittelbarer Kontakt – jede der angedeuteten Persönlichkeiten versinkt in ihrer eigenen Welt und bleibt für sich.

Lena Laguna Diel (*1993 in Zürich) studiert seit 2022 Freie Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. Ihre Arbeiten waren unter anderem in Einzelausstellungen bei SPP in St. Gallen (2024) sowie Malpaís in Barcelona (2024) zu sehen. Darüber hinaus nahm sie an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, darunter beim Ketterer Kunst Masterclass Prize in München (2023), in der Gallery Ann Mazzotti in Basel (2023), der Städtischen Galerie Fruchthalle in Rastatt (2023), dem Kunsthaus Baselland (2022), Palazzina in Basel (2022) sowie der Galerie Knecht und Burster in Karlsruhe (2019).




Text: Carolina Maddè
Photography: Nils Heck