G10
Luis Maria Sulzmann
A Trap Well Laid    


R15

Felix Anatol Findeiß
hólos 


11.04.25 - 23.05.25


ENG
The exhibition A Trap Well Laid by Luis Maria Sulzmann brings together various objects used in beekeeping businesses. These are tools and equipment for honey production that have been perfected over centuries to maximize yields. This capitalist and industrial approach views nature and living creatures as quantifiable resources, whose enhanced performance is expected to generate predictable growth and profit. Through the absence of insects, G10 Projektraum becomes a resonating chamber for the buzzing and eager activity of bees. Sulzmann questions the common human perspective—the anthropocentric point of view—and opens new fields of vision concerning an endangered group of insects. (click for more)

The works presented in G10 are reminiscent of readymades—industrially manufactured objects removed from their original context and presented as artworks without modification. A beehive modeled by Sulzmann is based on a historical and scientific 19th-century design. This model revolutionized beekeeping with its modular structure, allowing beekeepers to intervene directly and observe the honeycombs. It is surprising that this device is still in use today—it seems to signal a return to older practices. While contemporary technologies are evolving so rapidly it’s almost impossible to keep up, time appears to have stood still for the beehive; its form remains pre-industrial and pre-technological.
        Sulzmann's presentation appears objective. It is reminiscent of scientific textbooks, which promote a rational understanding of broader contexts while allowing for emotional detachment. However, upon closer inspection, unequal power dynamics are exposed: humans exploit nature as a resource for economic gain, repeatedly undermining the fundamental principles of life.

The video work hólos by Felix Anatol Findeiß is presented in R15. The video explores various states of a fictitious waiting room: the conditions it currently embodies and those it provokes. In this pragmatic location, everything seems subject to the dictates of the ordinary and the whimsical—yet at least the interior elements are reliable characters. They can be arranged, integrated, or break free. Humans are, at best, incidental presences; atmosphere comes and goes; beauty is relative. The sculptural transitions the space undergoes as the protagonist form a narrative mesh. The sheer material provokes elusive sensitivities that those waiting must endure—sensations one may recognize or perhaps even secretly enjoy. At times, the room controls the situation; at others, it is at the mercy of itself. It is constantly engaged in navel-gazing. The waiting room, isolated like a film set, becomes a model of a broader reality.

Luis Maria Sulzmann (*1998 in Hanau) has been studying at the Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main since 2019 and at the Royal Academy of Fine Arts in Copenhagen since 2023. He lives and works in Copenhagen

Felix Anatol Findeiß (*1986 in Berlin) graduated in architecture from the Berlin University of the Arts in 2016. He lives and works in Berlin. His works are represented by Galerie 3AP.

 
 

DE
Die Ausstellung A Trap Well Laid von Luis Maria Sulzmann versammelt verschiedene Objekte aus der professionellen Imkerei. Es handelt sich um Werkzeuge und Vorrichtungen zur Honigproduktion, die über Jahrhunderte hinweg perfektioniert wurden, um den Ertrag zu maximieren. Dieser kapitalistische und industrielle Ansatz betrachtet Natur und Lebewesen als messbare Ressourcen, deren gesteigerte Leistungsfähigkeit vorhersehbares Wachstum und Profit ermöglichen soll. Durch die Abwesenheit der Insekten wird der G10 Projektraum zu einer Resonanzkammer für das Summen und die rastlose Aktivität der Bienen. Sulzmann hinterfragt die gängige menschliche Perspektive – den anthropozentrischen Blick – und eröffnet neue Sichtweisen auf eine bedrohte Gruppe von Insekten. (klick für mehr)

Die im G10 präsentierten Arbeiten erinnern an Readymades – industriell gefertigte Objekte, die aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und unverändert als Kunstwerke präsentiert werden. Ein von Sulzmann nachgebildeter Bienenstock basiert auf einem historischen und wissenschaftlichen Entwurf des 19. Jahrhunderts. Dieses Modell revolutionierte die Imkerei durch seine modulare Bauweise, die es Imker*innen ermöglichte, direkt in den Bienenstock einzugreifen und die Waben zu beobachten. Überraschend ist, dass diese Konstruktion bis heute verwendet wird – sie scheint eine Rückkehr zu älteren Praktiken anzudeuten. Während sich zeitgenössische Technologien in rasantem Tempo weiterentwickeln und kaum noch überschaubar sind, scheint die Zeit für den Bienenstock stillzustehen: Seine Form bleibt vorindustriell und vortechnologisch.
        Sulzmanns Präsentation wirkt zunächst sachlich und objektiv. Sie erinnert an wissenschaftliche Lehrbücher, die ein rationales Verständnis komplexer Zusammenhänge fördern und zugleich eine emotionale Distanz ermöglichen. Bei genauerer Betrachtung treten jedoch ungleiche Machtverhältnisse hervor: Der Mensch nutzt Natur als Ressource zur wirtschaftlichen Verwertung und untergräbt dabei wiederholt grundlegende Prinzipien des Lebens.

Die Videoarbeit hólos von Felix Anatol Findeiß wird in R15 präsentiert. Das Video untersucht verschiedene Zustände eines fiktiven Wartezimmers: die Bedingungen, die es gegenwärtig verkörpert, ebenso wie jene, die es hervorruft. In diesem pragmatischen Ort scheint alles den Regeln des Gewöhnlichen und des Launenhaften unterworfen – doch zumindest die Elemente des Interieurs erweisen sich als verlässliche Akteure. Sie können neu angeordnet, integriert werden oder sich verselbstständigen. Menschen sind höchstens beiläufige Erscheinungen; Atmosphäre entsteht und vergeht; Schönheit bleibt relativ. Die skulpturalen Veränderungen, die der Raum als Protagonist durchläuft, verweben sich zu einem erzählerischen Geflecht. Allein das Material erzeugt schwer greifbare Empfindungen, denen die Wartenden ausgesetzt sind – Erfahrungen, die man vielleicht wiedererkennt oder sogar heimlich genießt. Manchmal kontrolliert der Raum die Situation, manchmal ist er seiner eigenen Dynamik ausgeliefert. Ständig ist er mit sich selbst beschäftigt, in einer Art Selbstbetrachtung. Das isolierte Wartezimmer, wie eine Filmkulisse aus seinem Kontext herausgelöst, wird so zum Modell einer umfassenderen Realität.

Luis Maria Sulzmann (*1998 in Hanau) studiert seit 2019 an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und seit 2023 an der Royal Academy of Fine Arts in Kopenhagen. Er lebt und arbeitet in Kopenhagen.

Felix Anatol Findeiß (*1986 in Berlin) schloss 2016 sein Architekturstudium an der Universität der Künste Berlin ab. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten werden von der Galerie 3AP vertreten.




Text: Carolina Maddè
Photography: Nils Heck / Jonas Eickhof